CD125 Booklet

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CD 125

JOSEFSTÄDTER MELODIEN

Musik der Josefstadt, Klänge der Heimat, Melodien mit Herz und Gefühl, die das unverwechselbare Wesen der Josefstädter Bürger widerspiegeln.
Hier findet sich noch -und immer wieder- jene besondere, schwer zu beschreibende Mischung aus Tradition und Fortschritt, aus Ruhe und Dynamik, verfeinert durch einen Schuss Kultur und Esprit.
Wie die Tänzerinnen auf diesem Coverbild, so zeigt sich der Josefstädter: leicht und beschwingt, graziös und dennoch energisch, ein Liebhaber schöner Dinge und Melodien.
Ein Stückerl Wien, das es zu erhalten gilt.

Die Melodien dieser CD-Produktion sollen einen kleinen Einblick in das musikalische Schaffen der Josefstadt darstellen, vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Jahrtausendwende.

Der biedermeierliche Charakter des kleinsten Wiener Bezirkes präsentiert sich besonders schön in den Melodien von Franz Schubert sowie von Johann Strauß Vater und Philipp Fahrbach. Beide standen durch ihre Auftritte in den Sträußelsälen mit dem Theater in der Josefstadt in ebenso enger Verbindung wie Ferdinand Raimund, dessen "Hobellied" aus dem "Verschwender", uraufgeführt in der Josefstadt, bereits zu einem echten Volkslied geworden ist.
Den Schwung der Gründerzeit brachten die Melodien von Franz von Suppé, Johann Strauß Sohn und Josef Franz Wagner, dessen Polka schnell "Die Josefstädterin" zu den fast unbekannten Kostbarkeiten der Wiener Musikgeschichte zählt.

Dem 20. Jahrhundert bescherten in der Josefstadt tätige und wohnhafte Komponisten unvergessene Melodien im Stil der Zeit, darunter die intimen Chansons von Alexander Steinbrecher, die Heurigenlieder vom "Schmid Hans'l" und die weltberühmten Walzerlieder von Meister Edmund Eysler.

Prof. Ludwig Breisach zeichnet schließlich als Komponist der neuen Lieder "Die Josefstadt" und "Bilder aus der Josefstadt", welche dem Kulturverein Klub Rofrano gewidmet sind.

* * * * *

Die Künstler und ihre Beziehung zur Josefstadt:

Ludwig BREISACH
Mitglied des Klub Rofrano, wohnhaft seit 1960 in Wien-Josefstadt, Lammgasse 7, Zahnarzt i.R. und Komponist.
Prof. Ludwig Breisach studierte Kompositionslehre bei Meister Edmund Eysler und gilt als einer seiner letzten Schüler.

Edmund EYSLER
Bürger der Stadt Wien und Träger des Goldenen Ehrenzeichens der Republik Österreich, komponierte zahlreiche Wienerlieder sowie über 60 Operetten, darunter "Die gold'ne Meisterin" und "Bruder Straubinger".
Eysler, der das "Silberne Zeitalter" der Wiener Operette einleitete, wohnte bis zu seinem Tod 1949 in der Josefstadt, Zeltgasse 14.


Philipp FAHRBACH
Komponist und Kapellmeister der "Hoch- und Deutschmeister". Fahrbach wurde 1828 als Flötist Mitglied der Kapelle von Johann Strauß Vater und war als Arrangeur der Kompositionen von Vater und Sohn eng mit der Familie Strauß verbunden.
Philipp Fahrbach wohnte in der Josefstädterstraße 48 und spielte mit seiner Kapelle häufig in den Gasthöfen "Zur Stadt Belgrad", "Zu den drei Hackel'n" und "Zur Stadt Wien".


FIAKERMILLI
Emilie Turecek, die legendäre "Fiakermilli", trat in ihrem enganliegenden Jockeykostüm als Volkssängerin in vielen Wiener Etablissements auf, darunter auch im ehemaligen Gasthaus " Zum roten Apfel" in der Auerspergstraße.
Hugo von Hofmannsthal verewigte die Fiakermilli in seiner Oper "Arabella", ebenso wie Martin Costa, dessen Volksstück "Die Fiakermilli" im Stadttheater in der Josefstadt aufgeführt wurde.

Ferdinand RAIMUND
Dichter und Schauspieler, debütierte 1814 als 23-Jähriger als Franz Moor im Theater in der Josefstadt, wohin er 1831 nach seiner Direktion am Leopoldstädter Theater zurückkehrte. 1834 wurde sein Stück "Der Verschwender" in der Josefstadt uraufgeführt. Ferdinand Raimund verkehrte auch häufig im Gasthof "Zu den drei Hackel'n" in der Piaristengasse.

Friederika RICHTER
Mitglied des Klub Rofrano, arbeitet als Malerin in Wien-Margarethen und Niederösterreich. Schwerpunkt ihrer Sujets ist die Umsetzung von Musik in Malerei.

Hans SCHMID
Komponist, Wienerlied-Interpret, wohnhaft von 1958 bis zu seinem Tod 1987 in der Josefstadt, Lammgasse 10. Der "Schmid Hans'l" trat nach dem 1.Weltkrieg erstmals als Heurigensänger auf und eröffnete 1952 ein Konzertcafé in Währing.

Franz SCHUBERT
Besuchte das von den Piaristen geleitete Akademische Gymnasium. Komponierte weltberühmte Lieder, Messen und Symphonien, wenige Wochen vor seinem Tod im Jahr 1828 noch den Hymnus "Glaube, Liebe, Hoffnung" für die Glockenweihe der Alserkirche.

Alexander STEINBRECHER
Komponist berühmter Wienerlieder "Zwei aus Ottakring", des Singspiels "Die Gigerln von Wien" sowie der Operette "Brillanten aus Wien", welche die Geschichte des Juweliers Joseph Strasser, des sogenannten Erfinders der bis heute populären Diamantimitationen, erzählt.
Strasser wohnte im "Altschafferhaus" in der Josefstadt, heute Lerchenfelderstraße 16. Alexander Steinbrechers Werke wurden häufig im Stadttheater in der Skodagasse (heute Haus des Buches) aufgeführt.

Johann STRAUSS Sohn
Der Walzerkönig kam am 25.Oktober 1825 in der Rofranogasse Nr.15 in Wien-Josefstadt auf die Welt. Auftritte in Josefstädter Etablissements, wie z.B. im Gasthof "Zum grünen Tor" oder in den Sträußelsälen bildeten Marksteine seiner Karriere. Seine erste Frau Henriette Treffz war ebenfalls ein Kind der Josefstadt, geboren in der Alservorstadt Nr.60, heute Laudongasse 17, getauft 1818 in der Pfarre Maria Treu, später wohnhaft in der Josefstädterstraße 18/
Piaristengasse 42.
Johann Strauß war Besitzer der Häuser Laudongasse 49 und 49a.

Johann STRAUSS Vater
Komponist weltberühmter Walzer und Märsche, darunter auch der Walzer "Josefstädter Tänze", uraufgeführt 1829 im Gartensalon des Theaters in der Josefstadt.
Johann Strauß Vater wohnte zunächst mit seiner jungen Ehefrau im Hause "Zum Samson" in der Josefstadt Nr.67, heute Langegasse 24, später in der Rofranogasse, heute Lerchenfelderstraße 15, sowie in der Nelkengasse 8 .
Er spielte häufig in den Josefstädter Vergnügungslokalen, wie dem Gasthof "Zum grünen Tor" oder dem Wirtshaus "Zum goldenen Strauß" auf. Am 1.Juni 1834 weihte er die Sträußelsäle des Theaters in der Josefstadt mit seinem Orchester ein.

Franz von SUPPÉ
Komponist unvergessener Operetten, darunter "Boccaccio" und "Die schöne Galathee", sowie der heimlichen Staatshymne "O du mein Österreich".
Suppé war nach seinem Studium am Konservatorium als Kapell-meister am Theater in der Josefstadt unter der Direktion von Alois Pokorny tätig.

Josef Franz WAGNER
Kapellmeister des k.k. Infanterieregiments Nr.47, Komponist des Marsches "Unter dem Doppeladler" sowie der Polka schnell "Die Josefstädterin".

Herausgeber:

CLUB ROFRANO
Der Kulturverein Josefstadt ist benannt nach dem Grafen Oktavian "Quinquin" Rofrano, dem ehemaligen Besitzer des Palais Rofrano (heute Palais Auersperg).
Gegründet 1979 von Prof. Dr. Max Pfeiler hat es sich dieser Verein zur Aufgabe gemacht, kulturelle Aktivitäten jeder Art zu fördern, insbesonders im 8. Wiener Gemeindebezirk, der Josefstadt.
Zahlreiche namhafte Künstler treten seit der Gründung bei Veranstaltungen des Klub Rofrano auf, welcher im Dezember 1999 sein 20jähriges Jubiläum feiert.


Coverbild: Friederika RICHTER
Text: Gabriela BREISACH
Musikalische Beratung: Rudolf MALAT

 

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