CD106 Booklet

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ENTWICKLUNG DER ZITHERMUSIK IN WIEN

Als unmittelbaren Vorläufer unserer heutigen Konzertzither kann man die ALPENLÄNDISCHE
SCHLAG - ZITHER bezeichnen. Dieses vielfach selbstverfertigte Instrument hatte ein Griffbrett
mit Metallsaiten, diatonische Bundanordnung und einige Freisaiten mit denen die am Griffbrett
gespielten Melodien begleitet wurden. Das Instrument wurde zur Gesangsbegleitung und für
Tanzmusik im ländlichen Raum verwendet.
Ab 1750 finden wir die Zither auch in Wien bei den sogenannten HARFENISTEN - Musiker die
einzelnoder in Gruppen auftraten - heute würde man sie Straßenmusiker bezeichnen. Um 1830
war die Zither bereits allgemein bekannt. Auch bei den "Heurigen" waren oft "Zitherschlager"
anzutreffen. Von den vielen Komponisten in Wien, wurden für diese Produktion jene ausgewählt
die durch ihr Wirken die Entwicklung beeinflußt haben.

1.) MARIAHILFER G`LÄUT
(Zithersolo)
Johann PETZMAYER geb. 18.1.1803 in Zistersdorf bei Wien, gest. 29.12.1884 in München.
Die Eltern betrieben in Wien Neulerchenfeld ein Gasthaus.
Kaum 16 jährig beschäftigt er sich - nachdem er bereits Violine spielte - mit der Zither und
bringt es in kurzer Zeit zu großer Fertigkeit. 1826 spielt er vor den Erzherzögen, 1827 im
Appartement des Kaisers Franz. Die Zither wurde Hoffähig. Auch Kaiserin Elisabeth (SISSI)
spielte Zither. 1837 verpflichtet Herzog Max in Bayern Petzmayer als Lehrer und Musiker.
Er wird 1838 "Kammervirtuose".

2.) AUF WOHLAUTSFITTIGEN (3.Satz Allegretto)
2 Diskant und 1 Altzither
C.F. UMLAUF geb. 21.9.1824 Baden bei Wien, gest. 1902 in Wien spielte zuerst ein Instrument
mit vergrößerter Petzmayerstimmung (26 Saiten). In Bayern hat Nikolaus WEIGEL ein neues
Besaitungsprinzip mit 5 Griffbrettsaiten, chromatischen Bünden, 26 in Quarten - Quinten
angeordneten 2x den Quinten - Quartenzirkel durchlaufenden Freisaiten vorgestellt.
Die heutige KONZERTZITHER war geboren. Umlauf beschäftigte sich mit dieser neuen Stimmung,
spielte sie 2 Jahre und veränderte dann die Besaitung sowohl am Griffbrett wie bei den Freisaiten.
Diese Stimmung wurde rasch als WIENER - STIMMUNG bekannt und wird bis heute in Österreich
vorwiegend gespielt. Die Weigelstimmung nannte man Münchner-Stimmung. Neben einer
Zitherschule - wovon bis 1887 27.000 Exemplare verkauft wurden - hat Umlauf das Konzertstück
in die Zitherliteratur aufgenommen, eine große Anzahl Kompositionen geschrieben und über
100 Zitherkonzerte veranstaltet.
Die Zither wurde in Wien zum Modeinstrument. Im Orchester von Johann Strauß Sohn gab es
auch einen zitherspielenden Geiger A.J.PASCHINGER. Für ihn hat Strauß in seinem
"G'schichten aus dem Wienerwald" Walzer das bekannte Zithersolo geschrieben.
Paschinger hat es auch bei der Uraufführung
gespielt.

3.) GEBET (Zithersolo)
August HUBER geb. 28.8.1835 Wien, gest. 2.2.1917 Graz, reiste als Zithervirtuose durch Europa
und Amerika, gab 1869 im Wr. Musikvereinssaal sein erstes Konzert und gründete in der
Siebensterngasse eine Zitherschule. Franz LISZT umarmte und küßte 1886 Huber bei einem
Konzert im Saal, Richard WAGNER und Giuseppe VERDI fanden begeisterte Worte über sein Spiel.
Huber hat als Komponist eine früher nicht gekannte Kompositionsart für die Zither geschaffen,
bei welcher Polyphonie mit Homophonie in glücklicher Weise verbunden werden.

4.) SONATINE
Diskant u. Altzither Josef HAUSTEIN geb. 23.8.1849 Brühl bei Wien, gest. 21.8.1926 Wöglein
bei Wien.
Erster Kontrabassist am Wiener Hofburgtheater, lernte schon als Kind Zither und schrieb
Standardwerke der Zitherliteratur.
Seine Schulwerke wurden beispielgebend. Mit 300 zum Teil mehrstimmigen Kompositionen
hat er der Zither den Weg zur Kunstmusik gezeigt.

5.) G-DUR KONZERT (1.Satz)
Solozither
Richard GRÜNWALD geb. 13.3.1877 in Budapest, gest. 10.5.1963 in Wien, Sohn eines Zitherlehrers,
schrieb "Meine Methode" ein Lehrwerk über moderne Zithertechnik, wurde als Virtuose und Komponist
eine überragende Persönlichkeit. Er erregte 1905 auf dem Grazer Kongreß des österr. Zitherbundes mit
seinem G Dur Konzert großes Aufsehen. Grünwald bezeichnete einige seiner Konzerte als unspielbar.
Die Grenzen des Machbaren werden dabei zumindest erreicht und aufgezeigt. Er wechselte von der
Wiener - zur Weigelstimmung, übersiedelte 1909 nach Deutschland und brachte die Zither mit seinen
kammermusikalischen Werken zur E.Musik.

6.) AVE MARIA
Zither u. Orgel
Heinrich PRÖLL geb. 29.6.1899 Wien, gest. 22.2.1980 Wien. Er war von Beruf Bundesbahnbeamter,
widmete sich in seiner Freizeit intensiv der Zither und trat schon als 21 jähriger als Zithervirtuose auf.
Er leitete und dirigierte Zitherquartette und Orchester in Wien. Ab 1934 Lehrer am Konservatorium,
1938 Lehrer an der Musikschule der Stadt Wien, Präsident des österr. Zitherlehrerverbandes.
Auch als Komponist und Bearbeiter war Pröll sehr erfolgreich. Neben einer Reihe von Unterrichtswerken
ist seine dreibändige Zitherschule besonders zu erwähnen. Wie schon R. Grünwald hat auch H. Pröll
versucht die Zither mit Streicher und Holzbläser zu koppeln.

7.) MALINCONIA
Zithersolo

8.) DIE LAUNIGE
Zithersolo
Armin KAUFMANN geb. 30.10.1902 in Neu-Itzkany (Rum.) gest. 30.6.1980 Wien.
Er war Geiger im Orch.der Wr. Symphoniker, Mitglied verschiedener Quartettvereinigungen und
komponierte unter anderem 4 Symphonien, zahlreiche Orchesterwerke und Kammermusik.
Durch die Freundschaft mit R. Grünwald angeregt, entstanden einige Kompositionen für Zither.

9.) HARRY LIME THEMA
Zithersolo
Anton KARAS geb. 7.7.1906 in Wien, gest. 9.1.1985 in Wien war als Zitherspieler in Wien tätig
als ihn 1948 der englische Filmregisseur Carol REED hörte und ihm die Komposition der Filmmusik
zu "Der dritte Mann" übertrug. Die ganze Filmmusik sollte nur mit einer Zither gespielt werden.
Das "Harry-Lime Thema" wurde mit dem Film weltberühmt und die Zither deren Beliebtheitsgrad
seit 1930 stark rückläufig war - gewann wieder an Bedeutung. Karas hat mit dem "Harry-Lime Thema"
gezeigt, daß die Zither auch Rhythmen des 20.Jh. spielen kann.

10.) BAGATELLE
Oboe, Diskant-u. Altzither
Franz Georg KNOTZINGER geb. 16.3.1908 in Wien, promovierte 1933 zum Dr. phil. Wurde Lehrer,
Schuldirektor, verfaßte musikalische Aufsätze, Kritiken, Schulfunksendungen und wurde als
Komponist zum Wegbereiter der Wiener Zither im 20.Jh. Seine teils der Romantik und dem
Impressionismus zuzuordnenden Kompositionen zeigen gediegenes Können und die Absicht,
der Zither die Klangwelt des 20. Jh. zu erschließen.

11.) EXPRESSION
Zithersolo
Heinz KRATOCHWIL geb.23.2.1933 Prof. für Tonsatz an der Musikhochschule in Wien, wurde bei
einem Seminar mit dem Zitherlehrer Toni Gößwein bekannt und angeregt für Zither zu komponieren.
Seine aleatorische Komposition, bei der ungewöhnliche Spieltechniken einbezogen wurden, zeigt,
daß die Zither auch in diesem Bereich verwendet werden kann.

12.) u.13.) KLEINE SINFONIE (2.u.3.Satz)
Zitherensemble, 4 Holzbläser, Schlagzg.
Gert LAST geb. 4.6.1921 Wien, Mag. art., wurde durch seine Tätigkeit beim Rundfunk und seine
Magisterarbeit "Die Zither im Rahmen des Wiener Musiklebens" mit der Zither vertraut und zur
Gestaltung dieser Produktion angeregt. Er komponierte zuerst für Rundfunkproduktionen
(Amateursendereihe) einfache rhythmische Titel und begann später anspruchsvollere Musik,
zu schreiben. Unterrichtswerke und Kompositonen, die die Zither zur Gegenwartmusik führen sollen.
Kombinationen mit anderen Instrumenten sollen das Zitherensemble erweitern.

14.) INDIAN SUMMER
Zitherensemble, Blockflöte, Schlagzg.
Gerhard TRACK geb.17.9.1934 in Wien, Wiener Sängerknabe, 1953 - 1958 Kpm. derselben.
Ab 1958 als Dirigent und Komponist in der U.S.A. tätig, heute in Wien, Direktor des
Wr. Konservatoriums und der angeschlossenen 17 Musikschulen, Leiter des
Wr. Männergesangsvereins und des Chors "Jung Wien". Neben zahlreichen Werken der
E. Musik (3 Opern, 6 Messen, Kammermusik, Chöre ) schreibt er auch U. Musik aller Art.
Die Komposition im Original für großes Orchester wurde für Zitherensemble arrangiert.
Ein Beispiel wie ein Werk für Zither eingerichtet werden kann.

15.) u.16.) SCHERZO (1.u.2.Satz)
2 Diskantzithern
Karl STIRNER geb. 28.5.1970. Er absolvierte das Konservatorium der Stadt Wien im Fach Zither.
Mit einigen Zitherkompositionen hat er auf sich aufmerksam gemacht.
Seine sehr schwierigen Kompositionen eröffnen der Zither ganz neue bisher nicht dagewesene
Klang- und Spielmöglichkeiten.

 

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